ERISKIRCH - Eigentlich hatten die Freien Wähler Eriskirch am Montagabend in den "Anker" eingeladen, um im Hinblick auf die Kommunalwahl sich selbst, ihre bisherige Arbeit und ihre künftigen Ziele vorzustellen und so Interesse für Mitarbeit zu wecken. Zum beherrschenden Thema wurde allerdings die neue B31. Vertreter der Initiative "Bürger für Lärmschutz" informierten über ihre Forderungen, betroffene Bürger berichteten über ihre Situation - zum Teil zwar sehr emotional, aber weitgehend ohne jene Polemik, jenes Stammtisch-Gestampfe, das Veranstaltungen dieser Art oftmals kennzeichnet.
Von unserem Redakteur Jens Lindenmüller
"Wir haben das Gefühl, an einer Autobahn zu wohnen", klagte eine Betroffene. "Sogar in Schussenreute ist noch ein konstantes Rauschen zu hören", meinte eine andere. Und eine Bewohnerin des Hochhauses in Mariabrunn berichtete, dass sie schon bei den Ansprachen zur Freigabe der B 31 jedes gesprochene Wort verstanden habe. Manfred Bertele, Sprecher der Bürgerinitiative, betonte, dass niemand gegen die neu B 31 an sich sei, sehr viele Anwohner aber gegen den Lärm, den in diesem Ausmaß niemand erwartet hat. Dass sich Straßenbauamt und Regierungspräsidium bei den Prognosen, mit denen man besorgte Bürger während des Planfeststellungsverfahrens beschwichtigt hatte, verrechnet haben, glaubt man bei der Bürgerinitiative eher nicht. "Denen geht es darum, günstig zu bauen und die Grenzwerte einzuhalten", konstatierte Gerhard Spengler, Mitinitiator der Unterschriftenaktion. Daran habe man sich wohl auch gehalten. Doch das sei für die betroffenen Bürger eben zu wenig, weshalb das Problem letztlich wohl eines der Gemeinde werden. "Grenzwerte sind immer das, was gerade noch auszuhalten ist", so Spengler. Die für die notwendigen Erholungsphasen im Alltag erforderlichen Rahmenbedingungen böten sie freilich nicht: "Ein Ort der Ruhe ist Eriskirch nicht mehr." Die effektivste Möglichkeit, die Situation der Anwohner deutlich zu verbessern sehen Spengler, Bertele und ihre Mitstreiter in einer Lärmschluckwand. Die würde je nach Ausführung zwischen 160 und 350 Euro pro Quadratmeter kosten. Insgesamt bedeutete dies eine Investition in Millionenhöhe.
Den Freien Wählern blieb vorerst nicht mehr, als sich die Sorgen und Forderungen anzuhören, hier und da nachzufragen und zu versprechen, die Interessen der bürger zu unterstützen. Ein objektives Bild konnte sich bislang wohl noch niemand machen, der nicht direkt selbst betroffen ist. Von der Problematik sind die Kommunalpolitiker in Eriskirch überrannt worden. Eines wollte Christoph Rommel, einer der beiden Vorsitzenden der Freien Wähler, aber bereits jetzt klarstellen: "Wir wollen nicht, dass dies ein Thema für die Wahl des Gemeinderats wird."
Ein Thema für die Gemeinde und den Gemeinderat wird es freilich auf jeden Fall. Ein finanzielles Problem wird daraus, wenn Bund, Regierungspräsidium und Straßenbauamt sich mit Verweis auf eingehaltene Grenzwerte - falls dem so sein sollte - zu keinen Lärmschutzmaßnahmen bereit sind. Im Rückblick auf das Planfeststellungsverfahren stellte FW-Gemeinderat Gerd Rinio, damals selbst mit dabei in der ersten Bürgerinitiative, fest, "dass es wohl ein Fehler war, die Initiative aufzulösen." Denn: "Hinterher etwas zu erreichen, ist immer schwierig. Dann schiebt jeder den schwarzen Peter woanders hin."
Bildunterschrift: Nicht zuletzt die vielen Lastwagen sind es, die den Bewohnern von Mariabrunn und Tannösch schlaflose Nächte bereiten. SZ-Foto: Anja Köhler