ERISKIRCH - Man hätte meinen können, die Fußballer des TSV hätten ein Spitzenspiel hinter sich: Rappelvoll war am Dienstagabend die Gaststätte im Eriskircher Sportheim, wo die ödp zu einer Info-Veranstaltung zum Thema Lärm eingeladen hatte. Neben Allgemeinen Informationen ging's natürlich insbesondere um die Problematik der neuen B 31.
Von unserem Redakteur Jens Lindenmüller
Ein Bild vom Lärmpegel entlang der neuen Straße vermittelte ein Video, das Manfred Bernhard erstellt hatte - mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus: Zeigten die ersten Bilder noch die heile Welt des Werbeprospektes der Gemeinde - mit Slogans wie "was die Ruhe stört, haben wir einfach weggelassen" -, so dröhnten in der Folge minutenlang wie an einer Perlenkette aufgereiht die Autos durchs Bild. Ohne Kommentar. Die Bilder beziehungsweise der Ton sollten für sich sprechen.
Was Schall oder Lärm eigentlich ist und wie er auf die menschen wirkt, versuchten Gerhard Spengler und Patrick Haller zu erklären. Beide sind vom Lärm der B31 direkt betroffen, engagieren sich in der Initiative "Bürger für Lärmschutz" und haben zum Thema recherchiert. Haller konzentrierte sich in erster Linie auf die physikalischen Hintergründe, zeigte aber auch Lärmschutzmöglichkeiten und ihre Wirkung auf. Am effektivsten wäre demzufolge ein Schutzwall, der den Lärmpegel um bis zu 17 db (A) senken würde.
Gerhard Spengler, als Sicherheits-Ingenieur unter anderem auch Fachmann für Lärmschutz, referierte über die Wirkung von Lärm. Dieser störe das Gleichgewicht zwischen Aktiv- und Passivphasen, zwischen Belastung und Entlastung. Besonders schlimm sei dies in der Nacht. "Lärm ist für Menschen ein Fremdkörper", so Spengler. Er könne Stress, Herz-/Kreislaufprobleme und andere Krankheiten auslösen - ab bestimmten Grenzwerten. Diese Werte müssten von den Behörden beispielsweise beim Bau von neuen Straßen zwar eingehalten werden, um sich wirklich wohl fühlen zu können, reichten diese Werte allerdings nicht aus. Und weil man den Bund nicht dazu verpflichten könne, Maßnahmen zu ergreifen, die für ein solches Wohlgefühl sorgen könnten, sei dies Aufgabe der Gemeinde. So sieht es auch seine Ehefrau Gerdi, die als ödp-Mitglied zu diesem Info-Abend eingeladen hatte: "Wir müssen uns in Eriskirch selbst einen Lärmschutz erstreiten." Manfred Bertele hingegen, der Sprecher der Initiative "Bürger für Lärmschutz", schöpft aus dem jüngsten Gespräch mit Regierungspräsidium, Straßenbauamt und Gemeinde (die SZ hat darüber berichtet) einen gewissen Optimismus, dass der Bund sein Scherflein beitragen wird. "Wir haben ein Quäntchen Hoffnung, dass irgendetwas passiert", so Bertele am Dienstagabend im Sportheim. Und weiter: "Falls von anderer Seite genügend Geld rüber kommt, möchten wir die Gemeinde nicht belasten."
Schwäbische Zeitung vom 18.03.2004)